HESSISCHER FLÜCHTLINGSRAT
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Das Herumschubsen und Herausdrängen von Minderheiten muss ein Ende haben!

 
 

Aufruf des Arbeitskreises Asyl NRW und des Flüchtlingsrats NRW vom 16. August 2002

WIR FORDERN EIN HUMANITÄRES BLEIBERECHT FÜR ROMA

JA ZUR INTEGRATION = NEIN ZU ABSCHIEBUNGEN

Seit dem 27. April 2002 protestieren etwa 500 Roma, um die Öffentlichkeit und die Politik auf ihre bedrängte Lage aufmerksam zu machen. Inzwischen ist der Demonstrationszug nach Bremerhaven, Berlin, Hannover, Bielefeld, Münster, Dortmund, Wuppertal, Köln in Düsseldorf angelangt. Seit Mitte Juli lebten sie notdürftig zunächst auf dem Schützenplatz in Düsseldorf-Flingern in einer "Dauerdemonstration", nachdem sie den Staufenplatz verlassen mussten. Seit dem 13. August 2002 sind sie auf den Oberkasseler Rheinwiesen.
Sie wehren sich gegen die drohende Abschiebung in das ehemalige
Jugoslawien, welche die Innenministerkonferenz am 6. Juni 2002 in
Bremerhaven für dieses Jahr angekündigt hat. Dieser Beschluss wird der
tatsächlichen Lage der Roma insbesondere in Serbien, Montenegro und dem Kosovo in keiner Weise gerecht: Denn ein Großteil von ihnen lebt dort
unverschuldet unter erbärmlichen Umständen unterhalb eines menschenwürdigen Niveaus.
Die Berichte internationaler Organisationen, wie UNHCR, UNMIK und von Menschenrechts- und Flüchtlingsorganisationen stimmen darin überein, dass Angehörige von Minderheiten dort keinen adäquaten Zugang zu Gesundheitsversorgung, Bildung, Arbeit und Eigentum haben, zum Teil in militärisch geschützten Enklaven leben müssen und immer noch Opfer von Gewalttaten und Diskriminierungen werden.
Trotz langjährigen, teils über zehnjährigen Aufenthalts mit ihren Familien in Deutschland haben die Roma nur Bescheinigungen über ihre Duldung, womit ihnen faktisch eine geregelte Arbeitsaufnahme und die Erfüllung der Bedingungen bisheriger Altfallregelungen verwehrt wurde.
Die Roma-Familien haben hier dennoch ihre Heimat gefunden. Kinder und
Jugendliche, viele von ihnen in Deutschland geboren, fühlen sich hier zu
Hause und haben eine schulische und berufliche Ausbildung begonnen oder
abgeschlossen. Eine Abschiebung dies er Menschen würde bedeuten, sie in
eine Situation absoluter Perspektivlosigkeit zurückzustoßen.


Wir fordern deshalb von der Bundesregierung, den Innenministern von Bund
und Ländern und allen verantwortlichen Politikern dieses Landes

  • sich für einen sofortigen Abschiebestopp für Roma und andere
    Minderheitenangehörige aus dem ehemaligen Jugoslawien einzusetzen,
  • die berechtigten Anliegen und Sorgen der Roma ernst zu nehmen und
    nicht zuzulassen, dass durch Abschiebungen vor Inkrafttreten des
    Zuwanderungsgesetzes mögliche positive Lösungen versperrt werden,
  • für eine wirksame Altfallregelung einzutreten, die den Betroffenen eine sinnvolle Lebensperspektive gibt,
  • sich entschieden gegen rassistische Einstellungen und Vorurteile
    einzusetzen, wie sie im Zusammenhang mit dem Roma-Protest in Düsseldorf
    von einem Teil der Medien und aus der Politik mobilisiert werden,
  • angesichts der Vernichtung von mehr als 500.0 00 Roma in der Zeit des deutschen Faschismus die besondere historische Verantwortung Deutschlands gegenüber diesem Volk und ihren Nachkommen wahrzunehmen.

Die Politik und alle Parteien sprechen von "Integration"
und einem "weltoffenen Deutschland"!

Die Politik muss jetzt Farbe bekennen:
Im Umgang mit den hier lebenden Minderheiten wie den Roma zeigt sich, wer es wie ernst mit Menschenrechten und Integration meint.

Unterzeichnende Personen:

Johanna Boettcher (Hechendorf); Hartmut Bohrer (Stadtverordneter
Landeshauptstadt Wiesbaden, Fraktion Linke Liste Wiesbaden); Frauke
Bosbach (Diplom-Psychologin, Köln); Maria Braig (Hechin-gen); Dr. Dieter
Bricke (Bergen); Klaus D. Bufe (Internationale Initiative Frieden in
Kurdistan); Günter Burkhardt (Geschäftsführer Pro Asyl, Frankfurt);
Ariane Dettloff (Ökumenisches Netzwerk Asyl in der Kirche in NRW, Köln);
Die Toten Hosen (Düsseldorf); Wolfgang Dietrich (Mitglied d.
Landesvorstands d. PDS M-V); Dr. Matthias Engelke (Pfarrer der ESG
Trier/Umwelt Campus Birkenfeld, Idar-Oberstein); Evamaria Friedrichsen
(Bremen); Barbara Gladysch (Mütter für den Frieden, Düssel-dorf); Günter
Grass; Wilfried Grünewald (AK Asyl NRW, Münster); Angela Halberstadt
(Büro MdB H. Lippmann, Hannover); Karla Haltenwanger (Hannover); Günter
Haverkamp (Düsseldorf); Ernst-Ludwig Iskenius (Arzt/IPPNW-Mitglied,
Villingen-Schwenningen); Dr. Margarete und Prof. Dr. Sieg-fried Jäger
(DISS der Universität Duisburg); Angela Jünger (Rheinbreitenbach); Pater
Wolfgang Jungheim (Lahnstein); Heiko Kauffmann (Vorstand Pro Asyl,
Meerbusch); Uta Keßler (Berlin), Dr. Utta Kim-Wawrzinek (Brühl); Nele
Kleyer-Zey; Eva Klippenstein (Flüchtlingsrat Düsseldorf); Klaus Knutschkau (Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt AK EFF, Halle); Albert Koolen (Pfarrer/Flüchtlingsrat Krefeld); Karl Kopp (ECRE/Europareferent Pro
Asyl, Frankfurt); Peter Kranz (Pfarrer, Berlin-Spandau); Prof. em. Dr. Peter Kühne (Dortmund); Rosemarie Lichte (Rechtsanwältin); Prof. em. Dr. Ernst Leuninger (Limburg); Herbert Leuninger (ECRE/Pro Asyl, Limburg); Heidi Lippmann (MdB PDS, Hannover); Herbert und Renate Löffler (Königswinter); Karin Loos (Kreistagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen Hildesheim); Dr. Andreas Lüddecke; Henry Malach (Berlin); Werner Mey-knecht (Vorsitzender des Flüchtlingsrates Sachsen-Anhalt); Dr. Jürgen Micksch (Vorstand Pro A-syl/Interkultureller Rat in Deutschland, Darmstadt); Friedhelm Meyer (Pfarrer, Düsseldorf); Helga Neumann (Berlin); Bernhard Nolz (Aachener Friedenspreisträger 2002, Siegen); Erdmute Orthmann (Berlin); Eva Pankok; Dr. Gisela Penteker (IPPNW/Niedersächsischer Flüchtlingsrat); Mario Peucker (Bamberg); Wilfried Polke (Düsseldorf); Prof. Dr. Wolfgang Popp (Universität-GH Siegen); Heik e Radvan (Berlin); Daniel Roth (Berlin); Jutta und Wolfgang L. Roth (Königswinter); Wilfried Schael (Berlin); Werner Schroers (Katzenelnbogen); Susanne Siebentritt (Berlin); Dr. Michael Stoffels
(O-berstudienrat, Meerbusch); Karin Sudhaus (Berlin); Gerhard Vöhringer
(Berlin); Günter Wallraff; Nina Weber (Königswinter); Heike Weinbach (Frauenbeauftragte der ASFH Berlin, Berlin); Sebastian Wertmüller (DGB-Regionsvorsitzender Südniedersachsen-Harz); Aliyeh Yegane (Bildungswerk der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin)

Unterzeichnende Organisationen

AGIS, Darmstadt; Aktion Courage, Bonn; Antirassismus-Telefon Essen;
Arbeitskreis Asyl Fried-richsdorf; Asienhaus, Essen; Bayrischer Flüchtlingsrat, München; Bielefelder Flüchtlingsrat; Büro für medizinische Flüchtlingshilfe, Berlin; Bundesarbeitsgemeinschaft der Sozialhilfeinitiativen, Frankfurt; Düsseldorfer Appell; Düsseldorfer Friedensforum; Flüchtlingsberatung des "Asylrecht ist Menschenrecht", Fulda; Flüchtlingsrat Berlin; Flüchtlingsrat im Kreis Viersen; Flüchtlingsrat Kreis Neuss; Flüchtlingsrat Ratingen; Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein, Kiel; Flüchtlingsrat Thüringen, Erfurt; Förderverein Kölner Flüchtlingsrat; Hessischer Flüchtlingsrat, Marburg; Initiative Langenfeld gegen Rassismus, Langenfeld; Internationale Liga für Menschen-rechte; "kein mensch ist illlegal", Köln; Komitee für Grundrechte und Demokratie, Köln; Migrati-onssozialberatung des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Niendorf, Norderstedt; Mühlhei-mer Flüchtlingsrat; Niedersächsische Integrationsrat, Osnabrück; Niedersächsischer Flücht-lingsrat, Hildesheim; OASE Pankow e.V., Berlin;
Ökumenisches Friedensnetz Düsseldorfer Christinnen und Christen; Ökumenisches Netzwerk Asyl in der Kirche in NRW; Ökumenisches Zent
rum für Umwelt-, Friedens- und Eine-Welt-Arbeit, Berlin-Spandau; Pädagogen und Pädago-ginnen für den Frieden, Siegen; pax christi, Bistumstelle Essen; ProAsyl/Flüchtlingsrat Essen; Refugio Villingen-Schwenningen, Kontaktstelle für traumatisierte Flüchtlinge; Rom e. V. Köln;
Soli-darische Kirche im Rheinland; VereinÖkumAusländerarbeit im Lande Bremen

Unterstützen Sie das Anliegen der Roma durch Briefe an die Politik
und/oder helfen Sie durch eine Spende auf das Konto des Flüchtlingsrats
NRW, Bank für Sozialwirtschaft Köln, Konto-Nr. 8054100, BLZ 37020500,
Stichwort "Hilfe für ROMA".

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