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Neue Hochsicherheits-Unterkunft für Asylbewerber

 
 

"Erhebliche Verbesserung" oder "Asylkläranlage" - an dem neuen Gebäude am Flughafen scheiden sich die Geister

Von Volker Mazassek

Am Franfurter Flughafen ist die neue Unterkunft für Asylbewerber bezogen worden. Das Gebäude mit 100 Plätzen stelle "eine erhebliche Verbesserung dar", sagte Hessens Sozialministerin Silke Lautenschläger (CDU) bei einem Besuch am Donnerstag. In Anspielung auf eine nahe gelegene Kläranlage sprach die Hilfsorganisation Pro Asyl dagegen von einer "technokratisch verbesserten Asylkläranlage".

Der Neubau in einem abgelegenen Winkel des Flughafens an der US-Air-Base sieht aus wie ein Bürogebäude. Spätestens am Eingang wird jedoch klar, dass hier ein Sicherheitstrakt entstanden ist. Besucher müssen hier eine Doppelschleuse passieren. Rechts sitzen Beamte des Bundesgrenzschutzes, links Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes. Im Gebäude selbst öffnen sich viele Türen nur auf Anforderung. Die Wände des Innenhofs sind mit einem so genannten Übersteigschutz gesichert. 19 starke Leuchten sind im Hofinneren installiert. Außerhalb des Gebäudes stehen vier Scheinwerfermasten. "Hier kommt keiner raus", heißt es beim Bundesgrenzschutz.

Die Flüchtlinge "können sich frei bewegen", betont Klaus Meßmer. Der Leiter der Einrichtung begleitet Sozialministerin Silke Lautenschläger bei ihrem Rundgang. "Das ist richtig gut geworden", findet Lautenschläger. Ihr Ministerium ist für die Unterbringung von Asylbewerbern zuständig, die auf dem Luftweg kommen. Das kostet 125 000 Euro im Monat. Das Land hat das 13 Millionen Euro teure Gebäude 587 von der Fraport AG gemietet.

Die alte Unterkunft waren wegen der schlechten Ausstattung immer mehr in die Kritik geraten, zumal sie häufig überbelegt war und abgewiesene Asylbewerber dort oft wochen- und manchmal monatelang auf ihre Abschiebung warteten.

Im Neubau gibt es mehr Platz, außerdem Spielmöglichkeiten für Kinder, einen Gebetsraum und einen Innenhof. 29 Asylbewerber sind gegenwärtig im Haus untergebracht, in Vier-Bett-Zimmern à 25 Quadratmetern. In den beiden Aufenthaltsräumen stehen ihnen Fernseher, Telefon, ein Zigarettenautomat und ein Tischkicker zur Verfügung. Den Hof füllt im Wesentlichen ein Hartplatz mit zwei Toren. Außerdem stehen dort Schaukel, Wippe, Rutsche und eine Tischtennisplatte, gesäumt von zehn Ahornbäumen. Im Spielzimmer können sich Kinder mit deutschen Büchern und Brettspielen beschäftigen, der "Deutschlandreise" etwa.

Für die Betreuung ist nach wie vor der kirchliche Flughafen-Sozialdienst zuständig. "Die Einrichtung ist neu", sagt Clemens Niekrawitz, der Leiter des Sozialdienstes; mehr möchte er nicht sagen. Für Bernd Mesovic von Pro Asyl ist das Haus "bauliches Bekenntnis zum strukturell unfairen Flughafenasylverfahren" und damit "inakzeptabel".

Fotos und Aufnahmen in den Schlafräumen gestattet Einrichtungsleiter Klaus Meßmer nicht. "Wir wollen die private Sphäre der Bewohner schützen." Einige Asylbewerber sind sehr daran interessiert, mit den Journalisten ins Gespräch zu kommen. Sie erzählen ihre Geschichte, holen Dokumente und Unterlagen herbei.

Vor laufender Kamera will Meßmer erst nach einigem Hin und Her etwas sagen. Eine Telefonnummer für spätere Rückfragen hat er nicht parat. "Ich ruf mich so selten an, ich kenn die nicht auswendig." Zahlen zur Belegung der alten Unterkunft sind Meßmer ebenfalls nicht bekannt.

Im Ministerium heißt es, im vergangenen Jahr seien es etwa 1500 Asylbewerber gewesen. Die Zahlen seien seit einigen Jahren leicht rückläufig.

Aus dem Gebäude kommt man nicht raus, und rein kommt man auch nicht. Abschiebegegner wollten in der neuen Unterkunft ein Konzert veranstalten. Solche Besuche seien "wie bisher nicht möglich", antwortete das Regierungspräsidium. Nun wird am 8. Juni von 12 bis 15.30 Uhr vor dem Terminal 1 demonstriert. An den Eingängen wird es voraussichtlich strenge Kontrollen geben. Nur Fluggäste mit Tickets dürfen passieren.

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