HESSISCHER FLÜCHTLINGSRAT
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Amnestieregelung für illegalisierte Menschen

 
 

1. Die Situation
In Deutschland leben schätzungsweise 500.000 bis 1 Million ausländische Menschen ohne Aufenthaltsstatus. Für Frankfurt/M. wird die Zahl auf 50.000 geschätzt. Der Gesetzgeber und die Behörden unterscheiden verwaltungstechnisch und im Blick auf die Zuständigkeiten zwei Gruppen:

  • Menschen, die nach einem erfolglosen Asylverfahren ohne Aufenthaltsrecht in der Bundesrepublik verbleiben;
  • Menschen, die nach der Einreise (ohne Papiere oder mit Touristenvisum) keinen Asylantrag gestellt haben.

Ein legaler Aufenthalt in Deutschland ist für visaverpflichtete Nationalitäten (Drittstaatenregelung) nur bei Einreise mit Visum (Tourist, Familienzusammenführung, u.U. Arbeits- oder Studienaufnahme) möglich.
Die erste Gruppe durchlief ein Verteilungsverfahren auf die Bundesländer nach dem AsylVG und nur für sie bleibt bei zielstaatsbezogenen Abschiebehindernissen das BAFl zuständig.
Die zweite Gruppe ist die zahlenmäßig wesentlich größere und von wirtschaftlicher Bedeutung in den Bereichen Haushaltshilfe und häusliche Pflege, Bau und Gastronomie, Prostitution/Menschenhandel.

2. Probleme
Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus sind völlig rechtlos, können die Grund- und Menschenrechte nicht in Anspruch nehmen und sind Rechtsverletzungen gegen sie hilflos ausgeliefert. Die Angst vor Zufallsentdeckungen, vor Polizeikontrollen und denunziert werden ist allgegenwärtig und führt mitunter zu krankhafter Verfolgungsangst.
Regelmäßig kommt es bei typischen, wiederkehrenden Situationen zu prekären Lagen, wo auch Deutsche zweifeln, ob sie helfen können, dürfen oder nicht.
2.1. Die Gesundheitsversorgung ist nicht gewährleistet. Kommt es bei Schwangerschaft und Geburt zu Komplikationen, ist keine medizinische Hilfe möglich.
2.2. Kommen Kinder ins Kindergarten- oder Schulalter fallen sie auf, wenn sie zu vormittags zuhause oder auf der Strasse sind.
2.3.Ohne Status gibt es keine Möglichkeit der legalen Erwerbstätigkeit aber auch keine Sozialleistungen. Bei der illegalen Beschäftigung wird oft zu wenig Lohn gezahlt und dieser noch vorenthalten.
2.4. Öffentliche Bedienstete müssen nach §76 Ausländergesetz (AuslG) die Ausländerbehörde (ABH) informieren, wenn sie Menschen ohne Papieren begegnen.
2.5. §92a I2 AuslG droht Helfern, die "wiederholt oder zugunsten von mehreren Ausländern" handeln, die gegen das Aufenthaltsrecht (im Detail s. §92 AuslG) verstoßen, Geld- oder sogar Haftstrafen an.

3. Forderungen
In Übereinstimmung mit den beiden großen Kirchen vertreten wir die Auffassung, dass Illegalisierten ein Mindestmaß an Grundrechten zusteht.
Wir plädieren für eine unbürokratische Stichtagsregelung, bei der sich Illegalisierte registrieren lassen können, um daraufhin einen Aufenthaltsstatus zu erhalten.

3.1. Medizinische Akut-/Notversorgung sowie Gesundheitsvorsorge (bspw. Kinderimpfungen) unabhängig vom Status und bestehender Krankenversicherung.
Denn die Behandlung und Verhinderung von Krankheiten muss einer Gesellschaft wichtiger sein als die Ausgrenzung und Bestrafung Einzelner.(Gesundheit / Psychosoziale Versorgung von Flüchtlingen)
3.2. Ermöglichung medizinisch betreuter Geburten mit Ausstellung einer Geburtsurkunde für das Kind, das die deutsche Staatsbürgerschaft erhält.
3.3. Ermöglichung des Schulbesuchs von Kindern illegalisierter Eltern.
3.4. Gefahrlose Geltendmachung von Lohnansprüchen auch bei illegaler Beschäftigung
3.5. Keine Verhaftung von Ausländern während der Vorsprache bei der Ausländerbehörde(ABH), damit Menschen nicht aus Angst vor einer irrtümlich vermuteten Verhaftung nicht mehr zur ABH gehen und so in die Statuslosigkeit geraten, obwohl dies nicht nötig wäre.
3.6. Legalisierung von Illegalisierten, wenn Ihnen ein Aufenthaltsrecht entsteht (z.B. bei Heirat, erneutem Asylvortrag) oder wenn diese ausreisen möchten.
3.7. Straffreiheit für Menschen, die aus humanitären oder religiösen Gründen bereits Illegalisierten helfen. Streichung des § 92a AuslG.

Christoph Schulze-Gockel

 

Weiterführende Links:

Kein Mensch ist Illegal

Aktiv gegen Abschiebung.de

LESETIPS:
Fodor/Alt, "Rechtlos"

Düsseldorfer Erklärung zu Forderungen zu Illegalen
21.06.02

 

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