HESSISCHER FLÜCHTLINGSRAT
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Pressemitteilung:

Hessische Flüchtlingsrat verurteilt Polizeieinsatz gegen antirassistisches Grenzcamp

 
 

Marburg, den 11.08.03

Am Samstag, den 9.8.03 wurde das diesjährige antirassistische Grenzcamp in Köln von der Polizei geräumt und alle anwesenden Personen in Gewahrsam genommen. Der Hessische Flüchtlingsrat ist zutiefst bestürzt über das Vorgehen der Polizei und fordert eine zügige und vollständige Untersuchung der Vorfälle.


Das antirassistische Grenzcamp ist eine Aktionswoche von Flüchtlingsorganisationen und antirassistischen Gruppen, während der durch vielfältige Aktionen Probleme wie die Situation von Flüchtlingen in Deutschland, europäische Flüchtlingspolitik, rassistische Ausgrenzung u.v.a. thematisiert werden. Das diesjährige Grenzcamp war bereits das sechste seiner Art in Deutschland und fand vom 31.Juli bis zum 10. August in Köln statt. Zum ersten Mal allerdings wurde das gesamte Camp mit mehreren hundert TeilnehmerInnen komplett geräumt und alle Anwesenden in Gewahrsam genommen. Begründet wurde dieses Vorgehen damit, die Identität von Straftätern, die unter den CampteilnehmerInnen vermutet wurden, festzustellen.

Am Samstag war von Neonazis eine Demonstration gegen das Grenzcamp im nahegelegenen Stadtteil Köln-Poll angemeldet wurden. Dies nahm die Polizei zum Anlass, das gesamte Camp ab 11 Uhr abzusperren und die TeilnehmerInnen dort festzusetzen. Dabei kam es wiederholt zu Einsätzen von Schlagstöcken und Pfefferspray, wodurch ca. 40 Personen verletzt wurden.
Gegen 17:30 Uhr wurden alle auf dem Camp befindlichen Personen von der Polizei aufgefordert, das Camp zu verlassen und erkennungsdienstliche Maßnahmen über sich ergehen zu lassen. Gleichzeitig wurden die Wasser- und die Stromversorgung des Camps gekappt, ein aus medizinischen und humanitären Gründen skandalöser Vorgang angesichts der 35°C, die zu diesem Zeitpunkt herrschten. Erst auf wiederholte Aufforderung durch den anwesenden Notarzt wurde die Wasserversorgung gut zwei Stunden später wiederhergestellt. Etwa zehn Personen erlitten Kreislaufzusammenbrüche und mussten ärztlich versorgt werden.
Trotzdem blieben etwa 400 Personen auf dem Gelände, einige, darunter alle Kinder, verließen das Camp. Die Verbliebenen wurden dann von der Polizei eingekesselt und ab ca. 22:30 einzeln abgeführt und in die Gefangenensammelstelle Brühl gebracht, was sich bis in die frühen Morgenstunden hinzog. Das gesamte Camp wurde von der Polizei, die mit mehreren Hundertschaften, zwei Wasserwerfern und einem Räumpanzer auf dem Camp aufgefahren war, durchsucht. Im Laufe des Morgens wurden alle Festgenommenen wieder frei gelassen.

Der Hessische Flüchtlingsrat verurteilt die Kriminalisierung von antirassistischem Engagement aufs Schärfste und erklärt sich mit den TeilnehmerInnen des Camps solidarisch. Das Vorgehen der Polizei gegen das angemeldete und mit der Stadt vertraglich abgesicherte Camp war völlig unverhältnismäßig und überzogen. Wir fordern daher, dass alle gesammelten Daten unverzüglich gelöscht werden. Sämtliche Verfahren wegen Verstoßes gegen das Ausländergesetz (Residenzpflicht) müssen sofort eingestellt werden.
Darüber hinaus fordern wir, dass gegen die Verantwortlichen dieses Einsatzes Disziplinarverfahren eingeleitet werden und die Betroffenen eine Entschädigung erhalten.

Timmo Scherenberg
Mitglied des Hessischen Flüchtlingsrates und Grenzcamp-Teilnehmer

Rückfragen unter 06421 / 89 9172 oder 0179 479 34 03, Timmo Scherenberg

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