HESSISCHER FLÜCHTLINGSRAT
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Gegenwehr 2/2002

 
 

Lufthansa unterstützt weiterhin gewaltsame Abschiebungen

Mit der Knarre zum Flugzeug. Trotz mehrerer Todesfälle ist es auf dem Flughafen der "Abschiebehochburg" Frankfurt am Main, weiterhin zu massiven Gewaltanwendungen gegenüber Flüchtlingen im Zusammenhang mit Abschiebungen gekommen. Darauf macht das bundesweite Netzwerk "kein mensch ist illegal" aufmerksam. Besonders kraß ist dabei der erst jetzt bekannt gewordene Fall der Familie Mogos aus Wiesbaden. "Meinem Vater ,der laut schrie, daß er auf unsere Mutter warten will, wurde eine Pistole an den Kopf gehalten", berichtete die 18jährige Gabriela Mogos telefonisch dem Mitarbeiter einer kirchlichen Organisation. Anschließend seien die Betroffenen, sämtlich mit Handschellen gefesselt, unter Androhung von Schußwaffengebrauch in zwei Lufthansa-Maschinen getrieben und über München nach Rumänien ausgeflogen worden. Das Flugpersonal habe die bedrohlichen Umstände jedoch ignoriert und die Abschiebung ohne weiteres zugelassen. "Offensichtlich hat die Lufthansa aus den bisherigen Erfahrungen mit gewaltsamen Abschiebungen nichts gelernt", kommentiert Jan Hoffmann, Sprecher von "kein mensch ist illegal", unter Verweis auf die in Lufthansa-Maschinen getöteten Flüchtlinge Kola Bankole und Aamir Ageeb die Vorgänge. Für den Tod Ageebs müssen sich demnächst drei BGS-Angehörige vor dem Frankfurter Landgericht verantworten. "Die wiederholte Erklärung des Vorstandsvorsitzenden Jürgen Weber, Lufthansa werde keine Abschiebungen gegen den Willen der Flüchtlinge in ihren Maschinen zulassen, entpuppt sich erneut als Propagandalüge", so Hoffmann weiter. Offensichtlich ist die Lufthansa im Fall der Familie Mogos für die staatliche rumänische Fluggesellschaft TAROM in die Bresche gesprungen. TAROM verweigert nach Aktionen der Kampagne "deportation class stop!" im letzten Jahr, die Beihilfe zu zwangsweisen Abschiebungen. Dagegen mache sich Lufthansa weiterhin "zum Handlanger staatlicher Abschiebepolitik" so "kein mensch ist illegal". Familie Mogos sei nur ein Beispiel für diese gnadenlose Politik. In Hessen treffe diese Praxis immerhin auf Proteste und Widerstand in der Bevölkerung. In Nordhessen hat die von Abschiebung bedrohte Familie Dumitrescu Kirchenasyl erhalten. Und in Ortenberg bei Büdingen mobilisieren Kirchen und örtliche Bevölkerung gegen die Abschiebung der untergetauchten Familie Zamfir.

Thomas Klein, Junge Welt, 6.4.02



 

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